Femizide in Deutschland anerkennen und verhindern

Bildrechte: Ingrid Margarethe Engelmann

Berlin, 18.11.2020

„267 Frauen sind im letzten Jahr in Deutschland getötet worden“, erklärt Cornelia Möhring, stellvertretende Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, „etliche von ihnen aufgrund ihres Geschlechts. Femizide sind das schreckliche Ergebnis von gesellschaftlichen Strukturen, in denen Frauen abgewertet werden.“ Als erste Fraktion bringt die Linksfraktion das Thema Femizide in den Bundestag ein und fordert, Tötungen an Frauen aufgrund ihres Geschlechts als Femizide anzuerkennen, zu erfassen und zu verhindern.

Möhring weiter: „Die Bundesregierung stellt sich beim Thema Femizide blind. Sie erhebt keine Zahlen und verweigert die Anerkennung, dass es Femizide gibt, um nicht handeln zu müssen. Die genaue Anzahl von Femiziden ist deshalb unklar. Doch es ist davon auszugehen, dass von den 267 getöteten Frauen des letzten Jahres der größte Anteil von Männern begangen wurde, die die Frauen umgebracht haben, weil sie Frauen sind. Das ist in der Regel bei sogenannten Beziehungstötungen oder auch bei Sexualmorden der Fall.

Wir müssen hierzulande die strukturelle Dimension solcher Taten erkennen. Femizide sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck von ungleichen Machtverhältnissen, die bis heute bestehen. Mit unserem Antrag fordern wir die Bundesregierung auf, tödliche Gewalt an Frauen aufgrund des hierarchischen Geschlechterverhältnisses als „Femizide“ zu benennen, alle Fälle durch eine „Femicide Watch“-Beobachtungsstelle zu erfassen, umfassende und aktuelle Daten zu veröffentlichen und mehr finanzielle Mittel für Forschung, Fortbildung und für das gesamte Hilfesystem zu Gewalt an Frauen bereitzustellen.“

Die Fraktion die LINKE im Bundestag bringt am 19. November 2020 ihren Antrag „Femizide in Deutschland untersuchen, benennen und verhindern“ in den Bundestag ein.

Link zum Antrag: https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/239/1923999.pdf