Sexarbeit: Warum ein Verbot nicht richtig ist.


Aus der baden-württembergischen SPD gibt es den Vorstoß, dass Prostitutionsschutzgesetz zu verschärfen und Prostitution unter Strafe zu stellen – wie das beim so genannten “nordischen Modell” der Fall ist. Die Stuttgarter Zeitung hatte darüber berichtet und mich vorab um ein Statement gebeten. Es ist dann nur ein Satz daraus abgedruckt worden. Daher möchte ich hier mein gesamtes Statement wiedergeben:

Unsere Kritik am Prostituiertenschutzgesetz besteht weiterhin: Es begünstigt die Illegalisierung von Sexarbeiter*innen, es begünstigt Armuts- und Straßenprostitution, es begünstigt Betreiber*innen von Großbordellen. Es setzt eben nicht auf das Selbstbestimmungsrecht derjenigen, die in der Sexarbeit tätig sind. Insofern ist es fast kein Wunder, dass es auch weiterhin zu Kriminalität in diesem Bereich kommt.

Zudem gibt es keine zuverlässigen Daten – nicht einmal über die Anzahl der Sexarbeiter*innen. Auch die Behauptung, dass 95 Prozent der Sexarbeiter*innen aus Osteuropa kämen und die Hälfte jünger sei als 21 Jahre, möchte ich daher in Zweifel ziehen.

Ich habe stets für eine Versachlichung in dieser Debatte plädiert, doch leider werden die Emotionen immer wieder – von nahezu allen Seiten angeheizt. So hat vor allem Alice Schwarzer den Begriff vom „Bordell Europas“ geprägt und gipfelt mit der Annahme, in Deutschland wären 750.000 Personen in der Sexarbeit tätig. Fakt ist: Niemand, wirklich niemand, weiß das.

Prostitution ist kein einheitliches Erscheinungsbild. Das Prostituiertenschutzgesetz aber zwingt die in diesem Bereich Tätigen aber, in Großbordellen zu arbeiten. Kleinselbstständigen, die in Modellwohnungen arbeiten, bzw. gearbeitet haben, sind diese Arbeitsmöglichkeiten weitgehend genommen worden, so durch die Anforderung eines eigenen Schlafzimmers und eines extra Badezimmers für Freier.

Das Hauptproblem ist aber tatsächlich die Zwangsregistrierung. Wer nur nebenberuflich in der Sexarbeit tätig ist, für den ist die Hemmschwelle viel zu hoch. Und vor allem Sexarbeiter*innen, die aus Ländern stammen, in denen Prostitution strengstens verboten ist, wie zum Beispiel Rumänien, sind so kriminellen Strukturen fast schon ausgeliefert, weil sie illegal hier arbeiten (müssen).

Bestrafungen uns Restriktionen lösen das Problem nicht. Immer werden Sexarbeiter*innen dadurch stärker getroffen als Zuhälter oder Menschenhändler – gegen die zu Recht scharf und konsequent vorgegangen werden muss. Dies kann aber nur dann wirksam erfolgen, wenn Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, selbstbestimmt ihrer Arbeit nachgehen können bei gleichzeitigen umfangreichen Angeboten zur Aufklärung in Bezug auf Gesundheit und Arbeitsrecht. Auch die Angebote für die tatsächlichen Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung benötigen mehr Unterstützung und ein Aufenthaltsrecht unabhängig von der Aussagebereitschaft.

Leider lässt sich mit dem Thema gut Stimmung machen. Ich bedaure das, denn es leiden vor allem jene darunter, die zwingend darauf angewiesen sind, in diesem Bereich zu arbeiten. Und es trifft auch jene, die freiwillig und bewusst diese Arbeit machen.“