Ihnen einen schönen Urlaub, den Kellnerinnen und Kellnern einen gerechten Lohn

“Abgeordnetenwort” in den Ueternser Nachrichten am 14. Juli 2018

Endlich! Die Sommerferien sind da – und mit ihnen auch wieder Millionen Touristen, die sich wohlfühlen am Strand, in Hotels, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen. Sie alle haben sich den Urlaub redlich verdient, viele von ihnen haben lange gespart für die Erholung in unserem schönen Land zwischen den Meeren. Wir sagen: Herzlich willkommen!

Damit die Urlaubsgäste sich ganz entspannt erholen können, müssen andere arbeiten. Über 150.000 Beschäftigte in der Tourismusbranche erwirtschaften rund acht Milliarden Euro Gesamtumsatz. So erfreulich sich das anhört, so schäbig ist auch die Kehrseite der Medaille: Ausgerechnet in diesem sehr saisonal geprägten Wirtschaftszweig gibt es besonders viele schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse.

Der gesetzliche Landesmindestlohn beträgt zurzeit 9,99 Euro – er ist jedoch nur für die Betriebe verbindlich, die öffentliche Aufträge vergeben. Die schwarz-gelb-grüne Landesregierung, deren Bezeichnung „Jamaika-Koalition“ irreführend mehr an Urlaub als realistisch an Sozialabbau denken lässt, hat ihn für die anderen Branchen, unter anderem eben für die im Tourismus tätigen Menschen, abgeschafft.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz feiert diesen Rückschritt als „Bürokratieabbau“. Für die vielen Beschäftigten bedeutet er dagegen Geldverlust. Denn ihre eh schon mageren Löhne bleiben weit hinter den immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten zurück. Kellnerinnen und Kellner, Hotelpersonal vom Zimmerservice bis zum Barkeeper bekommen weiter 9,19 Euro, soweit für sie kein Tarifvertrag gilt. Die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbunds DGB hat festgestellt: In Hotels und Gaststätten haben im vergangenen Jahr 38 Prozent der Beschäftigten sogar weniger als den Mindestlohn erhalten.

Wundert sich da eigentlich noch jemand, dass es so schwer für die Branche ist, ausreichend Personal zu bekommen? Wer will denn schon freiwillig zu Hungerlöhnen arbeiten? In den Urlaub fahren kann man mit so einem Einkommen schon gar nicht. Trotzdem: Dass Sie sich bei uns gut erholen können, liegt vor allem an den Menschen, die in den Hotels und Restaurants arbeiten. Sie freuen sich nicht nur über ein gutes Trinkgeld, sondern auch über Verständnis beim Alltagsstress. Und ich bleibe dran am Thema.

Ihnen einen schönen Urlaub, den Kellnerinnen und Kellnern einen gerechten Lohn.