Grün muss seinen Platz haben – auch in der Stadt

Cornelia Möhring besucht Baumschule in ihrem Wahlkreis

Pinneberg ist ein Baumschulland. Nirgendwo sonst in Deutschland konzentriert sich die Branche so stark wie hier, knapp 3.000 Hektar Land bewirtschaften sie in der Region.

Trotz rückläufiger Tendenz ist es daher immer noch ein bedeutender Wirtschaftszweig im Kreis mit rund 200 Betrieben und vielen hundert Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Die Baumschule Clasen & Co in Rellingen ist eine davon, Cornelia Möhring hat sie nun besucht.

Offiziell ein Praktikumstag, doch wer glaubt, es würde gegärtnert wie zuhause, hat falsche Vorstellungen: Es sind Produktionsbetriebe, die für das In-und Ausland Bäume, Sträucher und Stauden wachsen lassen und auch ins Ausland exportieren. Dirk Clasen ist Unternehmer in dritter Generation – seit 1910 existiert der Betrieb. Neben ihm führt zudem Mark Schneekloth die Geschäfte. Sie sind Arbeitgeber für 50 Frauen und Männer, Fachkräfte für Gartenbau, Hilfskräfte und ein Dutzend Beschäftigte in Büro und Verwaltung, ein Azubi ist dabei. Außerdem sind saisonal Polinnen und Polen auf den Feldern in Rellingen beschäftigt. Tarifverträge mit der IG BAU sichern Arbeitszeiten auch übers Jahr gesehen.

Und so gehören Baumschulen zum klassischen Mittelstand und sind damit viel stärker Strukturwandel und technologischen Umbrüchen ausgeliefert als Konzerne. Heute stehen sie mit Garten-Centern und Baumärkten in harter Konkurrenz. Ein Folge ist, dass man sich bei Clasen auf sog. Container-Pflanzen spezialisiert hat – Bäume, die in Töpfen herangezogen werden – und überwiegend öffentliche und kommerzielle Abnehmer hat – Städten, Kommunen, Unternehmen. 20 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, etwa nach Dänemark, Schweden, Norwegen.

Es sind aber auch – vor allem eingeschleppte – Schädlinge eine Herausforderung für die Branche. Der asiatische Laubholzbock, der Zitrusbockkäfer aber auch das Bakterium Xyella machen den Pflanzen zu schaffen. Selbst umfangreiche Quarantänemaßnahmen haben nicht bewirkt, die auszurotten, weil sie hierzulande keine natürlichen Feinde haben. Eine Studie des Landwirtschaftsministeriums soll jetzt in Erfahrung bringen, wie der Branche bei Befall geholfen werden kann und etwa Entschädigungen gezahlt werden können, wenn Quarantänemaßnahmen angeordnet werden. Die Situation macht kreativ: Und so behilft man sich mit Spürhunden, die selbst die Ausscheidungen der Insekten riechen können.

Auch der Klimawandel ist für die Baumschulen ein Thema, nicht nur, weil im Hitzesommer letztes Jahr 20 Prozent mehr Wasser benötigt wurde, um die Pflanzen zu tränken und die Versorgung aus den eigenen  Brunnen an ihre Grenzen kam. Die Bepflanzung der Städte ist eine langfristige Strategie, denn die Lebensdauer der Bäume an den Straßen nimmt ab. Statt Rostkastanien und Ahorn werden neue Baumsorten darauf getestet, wie Anpflanzungen langlebig realisiert werden können. Eine Idee ist, klimaresistente Bäume zu pflanzen. Hierfür sind umfangreiche Forschungen und Testvervahren nötig. Im Gartenbauzentrum in Ellerhoop wird das bereits gemacht, doch sei es schwer, berichten die Verbandsvertreter Frank Schoppa und Markus Guhl, Fördergelder zu erhalten. Auch seien die Laufzeiten für Projekte oft zu kurz, etwa der Europäischen Innovations Partnerschaft.

Zudem ist sind Baumschulen von der Städteplanung abhängig. Zur Luftreinhaltung sind Bäume ideal, doch oft müssen sie Bauprojekten weichen, Ersatzbäume werden nicht ausreichend oder erst nach Protesten gesetzt. Jüngst auch in der Landeshauptstadt Kiel durch Ortsbeiräte und dem BUND.

Cornelia Möhring hat mit vielen neuen Informationen ihren Tag in der Baumschule Clasen beendet. Und viele neue Erkenntnisse gewonnen, um mehr grün in die Städte zu bringen und tarifgebundene Arbeitsplätze zu erhalten.

Kersten Artus

Einige Impressionen:
(alle Fotos: ©keartus)



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