G20 in Hamburg: Protest ist notwendig und legitim

Kolumne von Cornelia Möhring
veröffentlicht in den Ueternser Nachrichten

Schon jetzt ist klar: Der Preis, der für den G20-Gipfel in Hamburg gezahlt werden muss, ist um einiges höher als die über 400 Millionen Euro, die das Spektakel der Despoten und Pseudo-Demokraten verschlingt. Damit sich die selbst ernannten Herrschenden der Welt ungestört treffen können, wird eine 38 Quadratkilometer große, quasi demokratiefreie, Zone eingerichtet, werden Grundrechte ausgehebelt. Dieser Vertrauensverlust in demokratische Spielregeln ist der höchste Kostenpunkt, der in diesen Tagen entsteht. Protest dagegen ist deswegen legitim.

Die G20 sprechen nicht für die Welt. Ihre Beschlüsse werden zudem nicht kontrolliert. Mit den Vereinten Nationen hingegen gäbe es eine Organisation, in der die Staaten zusammenkommen, um Weltpolitik zu machen – und zwar alle, nicht nur die 20 reichsten. Protest dagegen ist umso notwendiger, weil wir jetzt sehen, wie schnell selbst unser Rechtsstaat Methoden der Absperrung, Ausgrenzung und Kriminalisierung anwendet, damit sich Autokraten, die reihenweise Oppositionelle einsperren und kritische Medien mundtot machen, in der Hansestadt nicht von Widerspruch gestört fühlen müssen.

Wirkungsvoller Protest wird aus Hamburgs Innenstadt verbannt, damit in Ruhe weiter der Boden für Rüstungsdeals, für die Abschottung der Grenzen, für ausbeuterischen Freihandel geebnet werden kann. Wer sich nicht damit abfinden will, dass die derzeitige Wirtschaftspolitik unseren Planeten zerstört und unzählige Kriegsopfer und ertrunkenen Geflüchteten im Mittelmeer nicht akzeptiert, wird dämonisiert und kriminalisiert.

Der Hamburger Senat scheint gerade bestrebt, seinen autoritären Gästen das Wasser reichen zu wollen – er lässt Camps stürmen, Razzien bei linken AktivistInnen durchführen, Pfefferspray sprühen, Wasserwerfer einsetzen, Versammlungen verbieten. Die Liste wird am Montag nach dem Gipfel noch deutlich länger sein. Wer zahlt am Ende die politische Zeche für den Demokratieverlust? Deshalb ist es nötig, am Samstag auf den Straßen Hamburgs gegen die G20 zu protestieren und für Versammlungsfreiheit und Demokratie einzustehen.

Siehe auch: Nach dem W20 ist vor dem G20