Frauenhäuser am Limit – es muss endlich etwas geschehen!

Kolumne, veröffentlicht in den Ueternser Nachrichten, 7. April 2018

Von Gewalt gegen Frauen ist in der letzten Zeit viel die Rede gewesen. So gerieten mehrere Filmproduzenten und Schauspieler im Zuge der #MeToo-Debatte auf die Titelseiten von Zeitungen und Magazinen.

Es gibt eine Form der Gewalt gegen Frauen, die es nur selten in die Schlagzeilen schafft. Die tagtäglichen seelischen und körperlichen Misshandlungen, Vergewaltigungen und Morde in den heimischen vier Wänden. Sie sind nach wie vor die häufigsten Gewaltverbrechen gegen Frauen – jede vierte erlebt das mindestens einmal. Doch sind Landesregierungen und der Bund immer noch nicht bereit, ausreichend und effektiv zu helfen. Auch die 4,3 Millionen Euro, die in Schleswig-Holstein jährlich für die Frauenhäuser verwendet werden, reichen bei weitem nicht aus.

16 Frauenhäuser gibt es im Norden, 322 Plätze halten sie vor. Meistens, berichten die Mitarbeiterinnen, sind sie voll- und überbelegt. In 2017 mussten vielmehr 3.000 Frauen und ihre Kinder abgewiesen werden.

Hauptursache für die Überbelegung: Viele nicht mehr schutzbedürftige Frauen können die Frauenhäuser nicht verlassen, weil sie keine passende Wohnung finden. Die Lösung der Landesregierung: Das auf vier Jahre angelegte Projekt „Frauen Wohnen“. Aber ob es die Wohnraumsuche wirklich erleichtert? Ich habe meine Zweifel: Es gibt zu wenig günstige Wohnungen in Schleswig-Holstein, vor allem in den Städten. Und immer weiter fallen Wohnungen aus der Sozialbindung.

Was daher benötigt wird, ist eine Sofortprogramm für günstigen Wohnraum sowie zusätzliche Frauenhausplätze: 50.000 neue Sozialwohnungen wären fürs Erste nötig, um den dringendsten Bedarf zu decken. Und 130 zusätzliche Frauenhausplätze sofort, mittelfristig aber 400 Plätze, wie es die Europäische Istanbul-Konvention auch vorsieht, die zum 1. Februar 2018 auch für Deutschland in Kraft getreten ist und verbindlich ist!

Es wäre eine in mehrerer Hinsicht gute Investition: Für die sozialen Rechte von Frauen und Kindern und für eine friedlichere Gesellschaft, in der Menschen gewaltfrei zusammen leben können.

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