Digitale Gewalt an Frauen

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Im November habe ich mit meiner Kollegin Anke Domscheit-Berg die Bundesregierung gefragt, was sie zum Thema digitale Gewalt an Frauen weiß. Denn jeder der im Internet unterwegs ist kennt die Beschimpfungen und Beleidigungen, denen häufig Frauen ausgesetzt sind, weil sie Frauen sind. Uns interessierte aber noch vielmehr, wie Gewalt über digitale Kommunikationsmittel ausgeübt wird, wie hoch die Zahlen der Betroffenen ist und was aktiv dagegen unternommen wird.

Die Antwort war enttäuschend: Die Regierung weiß wenig über digitale Gewalt an Frauen, sie verfügt über keine Zahlen oder Studien zu dem Thema und im Gegensatz zu anderen Ländern scheint sie auch keinen richtigen Handlungsbedarf zu erkennen. Dabei nimmt die Gewalt über digitale Medien zu, das sind zumindest die Erfahrungen aus den Beratungsstellen.

Häufig wird digitale Gewalt im Kontext von häuslicher Gewalt ausgeübt. Die Formen der Gewalt sind dabei vielfältig: etwa den Ausschluss aus (Messenger-)Gruppen, Beleidigungen und Beschimpfungen, Bloßstellen und Anschwärzen, „Doxing“ (das Veröffentlichen von personenbezogenen Daten im Netz), Cyber-Stalking (bis hin zur Installierung von Spy-Apps, Kameras oder anderen Aufnahmegeräten in privaten Räumen oder auf Geräten), Nötigung und Erpressung (dazu zählt auch „Revenge Porn“, also bspw. das Erpressen mit der Drohung, intime Bilder zu veröffentlichen), das Verbreiten von Gerüchten und Diffamierungen, Identitätsmissbrauch und -diebstahl sowie die offene Androhung von Gewalt.

Weitere Formen sind bildbasierte sexualisierte Gewalt, etwa das Filmen von Vergewaltigungen und das Veröffentlichen dieser Aufnahmen, Bildmontagen mit pornografischen Inhalten und das Hochladen dieser Montagen auf Dating- und Sex-Websites, das Veröffentlichen von Kontaktdaten auf Dating-Websites oder das Zusenden von pornografischen Inhalten und sexualisierten Bedrohungen.

Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung nichts über die Ausmaße dieser Gewalt weiß – und auch keine Studien in diese Richtung plant. Dies wäre aber ein wichtiger Schritt, um entsprechenden Hilfebedarf zu eruieren und die Beratungsstellen adäquat auszustatten. So gleicht das Verhalten der Regierung aber den drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Denn eine Anerkennung des Problems würde bedeuten, Geld für die entsprechenden Maßnahmen in die Hand nehmen zu müssen. Maßnahmen, zu denen sich die Regierung mit der Unterzeichnung der Istanbul Konvention eigentlich verpflichtet hat.

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