Coronakrise – Zu aktuellen Situation der Frauenhäuser in Schleswig-Holstein

Bisher lässt sich in Schleswig-Holstein schlecht abschätzen, welchen Einfluss Corona auf die Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt hat. Manche Frauenhäuser berichten, dass die Anfragen von Frauen in Not seit dem Beginn der Coronakrise gestiegen sind, in manchen ist die Zahl gesunken. Der Hintergrund von weniger Anfragen ist hier nicht erfreulich: Aktuell ist vielen Frauen die Flucht ins Frauenhaus erschwert oder unmöglich. Zu befürchten ist, dass es einen rasanten Anstieg geben wird sobald sich die Coronamaßnahmen wieder lockern. Daher ist es wichtig, schon jetzt weiter zu denken und bereit zu sein für die Zeit nach Corona, in der sich vermutlich mehr Frauen trauen werden, sich von den gewalttätigen Männern zu trennen.

Wo zuvor bereits großflächig Platzmangel herrschte, haben sich die Bedingungen auf Grund der Krise noch verschärft. Viele Frauenhäuser in Schleswig-Holstein berichten, dass es in der aktuellen Situation nicht möglich ist, die Zimmer voll zu belegen. Da nur eine Frau pro Zimmer aufgenommen werden kann, entfallen Plätze, die sowieso schon dringend benötigt werden. Aus vielen Kreisen kommt die Nachricht, dass Ersatzplätze ermöglicht werden. Das Frauenhaus in Dithmarschen berichtet auch von großer Bereitschaft in der Bevölkerung, leerstehenden Wohnraum anzubieten.

In vielen Frauenhäusern ist die momentan notwenige technische Ausstattung, um weiterhin Beratung für Frauen außerhalb des Hauses oder ehemalige Bewohner*innen anbieten zu können, kaum oder nicht vorhanden. Ehrenamtliche Unterstützer*innen und Kinderbetreuung fehlen zur Zeit in den meisten Einrichtungen. Dazu kommt, dass die Bewohner*innen vielerorts auch von den Schließungen der Tafeln betroffen sind.

Es ist leider festzustellen, dass sich die großen Probleme, mit denen sich die Frauenhäuser, ihre Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen bereits vor der Pandemie konfrontiert sahen, sehr verschärft haben: Personelle Unterbesetzung, ein eklatanter Mangel an Frauenhausplätzen, Wohnungsnot, eingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt und die schwerfällige Umsetzung der Istanbul Konvention. Diese Verschärfungen, die diejenigen in der Gesellschaft am härtesten treffen, die es zu schützen gilt, sind mit großer Sorge zu betrachten.

Gewaltschutz muss auch in Zeiten von COVID-19 gesichert sein!