Der Lobby auf der Spur

Wie Sexarbeiter*innen und ihre Verbündeten diskreditiert werden

veröffentlicht auf diefreiheitsliebe.org

Der Streit um das „Nordische Modell“ wird unerbittlicher, schärfer und unsolidarischer. Wer sich für mehr Rechte und die soziale Absicherung von Prostituierten einsetzt oder wer als Sexarbeiter*in für die eigenen Rechte aktiv ist, wird mittlerweile schnell als Bordell-Lobbyist*in abgetan.

So auch am Internationalem Hurentag in Berlin. Der Internationale Hurentag am 2. Juni erinnert an eine Protestaktion französischer Sexarbeiter*innen: 1975 besetzten Sexarbeiter*innen eine Kirche in Lyon, um Aufmerksamkeit für sich und ihre Kämpfe zu bekommen. Genau diese Sichtbarkeit fehlte ihnen zu der Zeit, denn sie wurden kriminalisiert, und die Arbeit fand ungeschützt im Verborgenen statt, wodurch die Gewalt gegen Sexarbeiter*innen stieg.

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2. Juni Internationaler Hurentag

Die Coronakrise darf nicht zu einem dauerhaften Verbot von Sexarbeit instrumentalisiert werden. Sexarbeit lässt sich nicht verbieten. Hier geht es um Selbstbestimmung, um soziale und demokratische Rechte. Sichere Rahmenbedingungen müssen her, ein Verbot würde das Gegenteil bedeuten.
Wer das Thema Prostitution mit kriminellen Straftaten wie Menschenhandel und Vergewaltigung mischt, setzt sich mitnichten für Opfer von Menschenhandel oder sexualisierter Gewalt ein, sondern kriminalisiert pauschal alle Sexarbeiter*innen. Deshalb sage ich: kein Verbot, #nonordicmodel
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Sorge um Kriminalisierung von Prostitution/Sexarbeit

Heute, am 22. November 2019, findet eine Pressekonferenz in Berlin statt, um über die Gefahren einer weiteren Kriminalisierung von Prostitution zu informieren. Eingeladen haben die Deutsche Aids-Hilfe, die Diakonie, der Frauernat, eine Fachstelle gegen Frauenhandel des Frauenwerks der Nordkirche, die Dortmunder Mitternachtsmission, der Deutsche Juristinnenverbund.

In der Einladung heißt es:

„In Deutschland zeichnet sich der Beginn einer neuen Debatte über Prostitution ab. Bundestagsabgeordnete verschiedener Parteien streben ein so genanntes Sexkaufverbot an: Sexuelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen soll, ähnlich wie in Schweden oder Frankreich, verboten werden. Ein entsprechender Antrag wird auch auf dem kommenden SPD-Bundesparteitag erwartet. Diese Entwicklung erfüllt Fachleute in Verbänden und Beratungsstellen mit tiefer Sorge. Denn internationale Studie zeigen eindeutig: (mehr …)

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Der unproduktive Streit um Prostitution vs. Sexarbeit

veröffentlicht auf diefreiheitsliebe.org

Die Debatte um Prostitution oder Sexarbeit ist eine der kontroversten der feministischen Bewegungen. Allein die Begrifflichkeiten sind umstritten. Noch umstrittener ist die Frage, welche Funktion Sex gegen Bezahlung in unserer Gesellschaft einnimmt. Ist die Möglichkeit, Sex ohne persönliche Beziehung zu kaufen, ein Baustein in dem Bemühen, Lebensformen und Beziehungsweisen anders zu denken, als an romantische einengende Zweierbeziehungen geknüpft?

Oder drückt sich in der Prostitution einzig und allein der männliche Besitz- und Herrschaftsanspruch über Frauen aus und wird hier die Verbindung von Kapitalismus und Patriarchat auf die Spitze getrieben? Kurzum, Sexarbeit und Prostitution treffen den Kern unseres Miteinanders, da sie Sexualität, Selbstbestimmung und unser Geschlechterverhältnis berühren.

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Gesetz ohne Wirkung

©ragazza

“Sämtliche Befürchtungen in Bezug auf das Gesetz haben sich bestätigt. Was man jetzt braucht, ist eine Stärkung der Rechte von Sexarbeitenden, die Verbesserung der sozialen Situation und einen umfassenden Schutz der Opfer von Menschenhandel“, sagt Cornelia Möhring zu der aktuellen Studie, die für Nordrhein-Westfalen erstellt wurde und die Auswirkungen des seit zwei Jahre geltenden Prostituiertenschutzgesetzes untersuchte. In der taz heißt es dazu:

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Akzeptanz von Sexarbeit

Grußwort anlässlich der MitmachKonferenz der Kampagne “Sexarbeit ist Arbeit” am 28.4.18 in Berlin

„Liebe Sexarbeitende, liebe Mitstreitende,

das Prostituiertenschutzgesetz, das gegen unserere Stimme durchgesetzt worden ist, ist noch kein Jahr alt. Und schon sehen wir Probleme in der Umsetzung, genauso wie wir sie vorausgesehen haben. Nicht nur deshalb war das Gesetz ein herber Rückschlag. Es hat außerdem die Akzeptanz von Sexarbeit und die Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwinden lassen.

Es ist deshalb wichtig, dass die Kampagne und Veranstaltungen wie diese, Menschen und Wissen zusammenbringen und Öffentlichkeit erzeugen. Das verdient sehr viel Respekt, denn ich weiß, wie viele von Euch für viele Jahre schon unablässig und hart für ihre Rechte kämpfen müssen. Und welchen Stigmatisierungen Ihr ausgesetzt seid.

Ich bedaure sehr, dass ich heute nicht selbst anwesend sein kann. Aber ich bleibe für Euch ansprechbar und werde bald auch über den parlamentarischen Weg versuchen, auf die Auswirkungen des Gesetzes hinzuweisen.

Weiterhin viel Kraft,

Conni Möhring

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