Reproduktive Gerechtigkeit weltweit: Frauen sollen selbst entscheiden

veröffentlicht in Neues Deutschland
und in Clara, Nr. 48

Laut Weltbevölkerungsbericht haben 214 Millionen Frauen und Mädchen weltweit keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Das Problem armer Gesellschaften sind nicht viele Kinder, sondern Armut. Die hauptsächliche Ursache für Armut in hohen Geburtenraten zu sehen, ist geschichtsvergessen und gerade aus westlicher Perspektive brandgefährlich, denn dadurch wird die koloniale Haltung gegenüber Staaten und der Bevölkerung des globalen Südens reproduziert. Wir, die weißen Retter, bringen »den Menschen in Afrika« die sexuelle Aufklärung. Diese Vorstellung ist fatal.

Reproduktive Gerechtigkeit ist eines der zentralen Ziele feministischer Arbeit. Ihr Grundsatz ist einfach: Frauen sollen selbstständig und frei entscheiden können ob, wann und wie oft sie schwanger werden. Hierzulande kämpfen wir noch immer für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, wir setzen uns für kostenlose Verhütungsmittel ein.

Aber reproduktive Gerechtigkeit meint mehr: die grundlegende Freiheit und Sicherheit jeder Frau über ihre reproduktive Biografie frei entscheiden zu können und dabei von einem System gestützt zu werden, dass ihre Gesundheit und Würde – und die ihrer möglichen Kinder – bewahrt. Umfassende Aufklärung, legale Schwangerschaftsabbrüche, aber auch die Möglichkeit ein gutes Leben mit Kindern zu führen, gehören dazu. Egal ob alleinerziehend oder mit Partner*in.

(mehr …)

Wie sieht es aus, das gute Leben?

veröffentlicht in Clara Nr. 46

Wie wollen wir leben? Das Private ist immer noch und immer auch politisch, sagt Cornelia Möhring.

Wie sieht es aus, das gute Leben? Was versprechen wir uns vom Leben, und welche Gestaltungsmöglichkeiten bietet uns eine Gesellschaft, in der 50 Jahre nach der 1968er-Bewegung von Revolte, Aufbruch und freier Liebe wenig übrig geblieben ist?

Stattdessen erleben wir, wie erkämpfte Freiheiten angesichts des vorherrschenden Kapitalismus, eines gesellschaftlichen Rechtsrucks und der damit verbundenen Rückwende zur bürgerlichen Kleinfamilieinfrage gestellt werden. Damit geraten auch die Rechte von Frauen wieder verstärkt in Gefahr. (mehr …)

Schlagwörter:

Ohne uns steht die Welt still

veröffentlicht in Clara Nr. 47

Frauen verdienen im Schnitt noch immer rund 22 Prozent weniger als Männer. Sie übernehmen bis heute den Großteil unbezahlter Haus- und Sorgearbeiten. Sie arbeiten häufig in Teilzeit und sind somit insbesondere im Alter von Armut bedroht. Aus der ökonomischen Diskriminierung wiederum folgt eine fehlende politische und öffentliche Repräsentanz. Nicht nur in Bezug auf Mandate und Ämter, sondern auch in gesellschaftlichen Funktionen, die eine starke Außenwirkung besitzen. In Medien, Gewerkschaften, bei Führungspositionen bleiben Frauen nicht selten in der zweiten Reihe.

(mehr …)

Schlagwörter: , ,

Ein Urteil, eine verlogene Rechtslage und eine neue Debatte

veröffentlich in Clara Nr. 45

Vor dem Amtsgericht Gießen hatten sich am Prozesstag etwa 400 Menschen mit Schildern, Transparenten und beschriebenen Regenschirmen eingefunden, um gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch und für das Recht von Frauen, über ihren eigenen Körper zu entscheiden, zu demonstrieren. Auch der Gerichtssaal war rappelvoll mit Unterstützerinnen und Unterstützern der angeklagten Ärztin Kristina Hänel und noch einmal so vielen Journalistinnen und Journalisten. (mehr …)

Twitter