Schleswig-Holstein braucht gute Pflege – aber keine Pflegekammer

© Initiative Stop – Keine Pflegeberufekammer in Schleswig-Holstein

Kolumne zur Kritik an der Pflegeberufekammer*

Seit gut drei Jahren hat Schleswig-Holstein eine Pflegeberufekammer. Und wie zu erwarten zeigt sich: Sie wird nicht gebraucht. Im Gegenteil: Sie wird von immer mehr Menschen abgelehnt. Fast 7.000 Personen haben bislang eine Petition gezeichnet, mit der ihre Abschaffung gefordert wird. Doch warum sind Pflegekammern überhaupt so umstritten?

Eine Pflegekammer soll eine sachgerechte, professionelle Pflege sicherstellen. Das ist ein richtiges Ziel. Aber Gewerkschaften und Berufsverbände setzen sich bereits seit vielen Jahren dafür ein. Außerdem halte ich die zwingende Pflichtmitgliedschaft für falsch: Bei einem Jahreseinkommen von 35.500 Euro muss eine Pflegefachkraft im Jahr über 100 Euro an Beitrag aufbringen. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft hingegen ist immer freiwillig.

Niemand kann mehr ignorieren, dass Pflege eines der wichtigsten Zukunftsthemen ist und das ganze Land in ein sozialpolitisches Desaster rutscht, wenn es keine ausreichenden und gut ausgebildeten, motivierten Pflegefachkräfte gibt. Dass es dieses Problembewusstsein überhaupt gibt, haben ver.di und Pflegefachverbände durch Beharrlichkeit und Proteste erreicht. Niemand kann mehr leugnen, dass die Pflege unterfinanziert ist. Schon heute können sich immer mehr Menschen keine gute Pflege mehr leisten. Pflegeheime suchen händeringend nach Personal. Aber die pflegepolitischen Initiativen der Bundesregierung sind mangelhaft. Nur: Eine Pflegekammer ändert daran nichts.

Wir wissen heute, wie eine sachgerechte, professionelle Pflege erreicht werden kann: Durch gute Arbeit – also Arbeitsverhältnisse mit Tarifgehalt bei optimalem Gesundheitsschutz der Pflegenden. Auch die Vollfinanzierung der Pflege ist eine Voraussetzung. Sie ist bezahlbar, Konzepte dafür liegen vor.

Wir alle wollen alt werden und es soll uns im Alter möglichst gut gehen. Eine gute Pflege gehört dazu. Interessen dürfen nicht gespalten werden. Unterzeichnen Sie die Petition zur Abschaffung der Pflegeberufekammer in Schleswig-Holstein.

*In den Ueternser Nachrichten ist bedauerlicherweise am 13. April nicht die finale Fassung der Kolumne erschienen. Dies lag an einem internen Kommunikationsfehler.

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