Bundesagrarministerium verspielt Zukunft

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Berlin, 4.07.19. „Aktive Gleichstellungspolitik für Frauen ist auch in der Landwirtschaft und in den ländlichen Räumen keine Frage von Großzügigkeit, sondern ein Rechtsanspruch. Den die Bundesregierung aber ignoriert. Trotz deutlicher Einkommensunterschiede von bis zu 15 Prozent zwischen Frauen und Männern in der Landwirtschaft behauptet die Bundesregierung doch allen Ernstes, dass beide gleichermaßen von den Maßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik profitieren. Aber ohne faire Bedingungen für Frauen ist weder Landwirtschaft noch Dorf zukunftsfähig.“, kommentiert Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Geschlechtergerechte Agrarpolitik – Stand und Entwicklung“ (Drs. 19/11276).

Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE dazu: „Die Antwort der Bundesregierung zeigt: Noch immer denkt sie an Frauen in der Landwirtschaft hauptsächlich als mithelfende Familienangehörige. Nur so lässt sich erklären, dass sie bei einem Anteil von 10 Prozent Frauen als Betriebsleiterinnen und ebenso niedrigen Besitz an Landwirtschaftsbetrieben keinerlei Handlungsbedarf sieht. Dabei sind es oft Frauen, die neue und nachhaltige Konzepte entwickeln und Wert auf umweltbewusstes Wirtschaften legen. Die Bundesregierung denkt wohl, Frauen sollten weiterhin hauptsächlich durch unbezahlte Ehrenämter die soziale und kulturelle Lebensqualität des ländlichen Raums erhalten. Aber wie so oft heißt es auch hier: Gesellschaft und Innovation fördern, heißt Frauen fördern!“

Dr. Kirsten Tackmann weiter: „Es ist erstaunlich wie unreflektiert die Bundesregierung den Fakt zur Kenntnis nimmt, dass Frauen in der Landwirtschaft finanziell und strukturell benachteiligt sind. Zum Beispiel sind nur zirka 10 Prozent der Betriebsleiter und  Betriebsinhaber Frauen. Unter den Beschäftigten in der Landwirtschaft sind dagegen bis zu 39 Prozent Frauen. Statt Überlegungen zu den Ursachen dieser Männerdominanz in den Führungsetagen von landwirtschaftlichen Betrieben und zu ihrer Überwindung anzustellen, stellt sich die Bundesregierung blind und taub und hält keine Maßnahmen für notwendig. Julia Klöckner hat als zuständige Ministerin zwar Anfang des Jahres 2019 eine Landfrauenstudie in Auftrag gegeben. Aber wie glaubwürdig ist dieses Anliegen, wenn bereits lange vorliegende Analysen keinerlei Konsequenzen haben. Damit bleibt Deutschland ein gleichstellungspolitisches Entwicklungsland. Es wird Zeit, dass Frauen noch konsequenter ihre Rechte einfordern. DIE LINKE unterstützt sie und bleibt dabei, dass nur eine geschlechtergerechte Agrarpolitik zukunftsfähig ist. Eine Selbstverständlichkeit sollte sie ohnehin sein.“

Hier die Antwort der Bundesregierung auf die LINKE Kleine Anfrage  „Geschlechtergerechte Agrarpolitik – Stand und Entwicklung“ (Drs. 19/11276)

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