Zwei Mütter – keine Rechte?

(c) Pixabay

Regenbogenfamilien sind inzwischen in der Gesellschaft angekommen, fast zumindest. Durch die „Ehe für alle“ dürfen seit 2017 auch Lesben und Schwule heiraten anstatt sich nur mit einer minderwertigen „Verpartnerung“ zufrieden geben zu müssen. Und: Immer mehr Lesben, Schwule und Trans* werden Eltern. Vor allem unter lesbischen Paaren hat die Kinderzahl in den letzten Jahren zugenommen. Über 90 Prozent der Regenbogenfamilien, so die Schätzungen, bestehen aus zwei lesbischen Müttern. Was auf den ersten Blick nach einem Erfolg der Gleichstellungspolitik der letzten Jahre klingt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als ein weiteres Feld, auf dem noch immer lesbische Paare diskriminiert werden:

Wird ein lesbisches Ehepaar Eltern, wird die sogenannte Co-Mutter nicht automatisch als Mutter des gemeinsames Kindes anerkannt. Bis es soweit ist, muss das Paar ein langwieriges Adoptionsverfahren durchlaufen – im Gegensatz zu heterosexuellen Paaren, wo der Ehemann automatisch als Vater anerkannt wird. Bei lesbischen Paaren hat das Kind erst nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens zwei rechtliche Elternteile. Sollte die biologische Mutter während des Adoptionsverfahrens sterben, steht das Kind als Waise da. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Kind durch eine Samenspende gezeugt worden ist oder der Vater aus anderen Gründen nicht ermittelbar ist.

Das Abstammungsrecht hinkt dieser gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Im deutschen Recht gibt es weder die Möglichkeit, dass mehrere Elterneile Verantwortung übernehmen (die sogenannte Mehrelternschaft), noch die automatische Anerkennung der verheirateten Partnerin als Co-Mutter. Dabei hat der Arbeitskreis Abstammungsrecht bereits 2017 konstruktive Reformvorschläge vorgelegt. Doch erst jetzt kommt langsam Bewegung ins Thema: Das Justizministerium hat nun einen ersten Entwurf zur Reform des Abstammungsrechts veröffentlicht. Und im Bundestag fand am 18. März eine Anhörung zum Thema statt. Doch die Diskussion im Bundestag machte deutlich, dass noch ein langer Weg zu gehen ist. Statt um die Rechte der (Co-)Mutter zu diskutieren, wurde vornehmlich über die Rechte der Väter gesprochen. Ausgeblendet wurde dabei, dass in der überwiegenden Mehrheit der jetzigen Regenbogen-Familienkonstellation kein aktiver Vater vorhanden ist. Dringend muss aber für diese Paare eine Regelung getroffen werden. Und als nächster Schritt gehören Mehrelternfamilien rechtlich besser gestellt.

Schlagwörter: