„Trostfrauen“ – Friedensstatue

Bildquelle: Korea Verband

In Berlin Mitte, Ecke Birkenstraße und Bremer Straße, steht seit dem 28. September eine Statue, die an die Opfer sexualisierter Gewalt im Krieg erinnern soll. Sie stellt eine „Trostfrau“ dar – ein euphemistischer Begriff für die Mädchen und Frauen, die während des Asien-Pazifik-Kriegs vom japanischen Militär als Teil einer militärischen Strategie vergewaltigt und sexuell versklavt wurden. Die Reaktion auf die Errichtung der Statue folgte prompt: Der Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte forderte eine Entfernung bis zum 14. Oktober, um „diplomatische Probleme“ zu vermeiden. Auf meine schriftliche Frage, inwiefern sich das Auswärtige Amt oder der Außenminister mit der japanischen Regierung und dem Bezirksamt Mitte ausgetauscht und sich für den Erhalt der Statue eingesetzt hätte, wurde ausschließlich auf eine kommunale Angelegenheit ver- und eine Einflussnahme der japanischen Regierung abgewiesen. Gerade zum 20. Jubiläum der UN-Resolution 1325, die Frauen vor sexualisierter Gewalt in Kriegszeiten schützen soll, ist die Entfernung einer solchen Statue ein Politikum. Der außenpolitische Bezug liegt auf der Hand, darauf deuten nicht zuletzt die offiziellen Verlautbarungen der Japanischen Regierung hin. Allein schon aus historischer Perspektive der Erinnerung an sexualisierte Gewalt im Krieg ist die Errichtung und Erhaltung einer solchen Statue mehr als überfällig.

Die Darstellung der sogenannten „Trostfrau“ erinnert an die mindestens 200.000 Mädchen und jungen Frauen zwischen 11 und 29 Jahren, die zwischen 1937 und 1945 von der japanischen Armee verschleppt und zwangsprostituiert wurden. Vom japanischen Kriegsministerium empfohlen, wurden diese Militärbordelle eingerichtet, um Massenvergewaltigungen in den besetzten Gebieten zu verhindern und die Disziplin der Truppen zu gewährleisten. Die Frauen und Mädchen aus ganz Südostasien mussten oft über Jahre mehr als 20 Soldaten am Tag dienen und laut Schätzungen überlebten 90% der „Trostfrauen“ den Krieg nicht. Diejenigen, die in ihre Heimat zurückkehrten, schwiegen, da die Offenlegung der erlebten Tortur nicht selten die Verstoßung von Familie und Freunden bedeutete.

Seit den 1970er Jahren war bekannt, dass Frauen und Mädchen während des Kriegs vom Japanischen Militär zwangsprostituiert wurden. Dies wurde allerdings nicht als sexualisierte Gewalt, sondern als militärische Aggression gewertet und die Unfreiwilligkeit der „Trostfrauen“ in Frage gestellt. Von den wenigen Überlebenden, die noch Zeugnis ablegen konnten, trat erstmals 1991 eine Frau in die Öffentlichkeit und berichtete im Fernsehen von ihrem Martyrium. Daraufhin folgten über 500 Frauen aus 13 Ländern und forderten in einer „Trostfrauen Bewegung“, unterstützt von internationalen Organisationen wie Amnesty International, eine Entschädigung und offizielle Entschuldigung der japanischen Regierung. Japan bekannte sich 1993 auch zu den Verbrechen, die laut der UN-Menschenrechtskonferenz von 1993, der UN-Frauenkonferenz 1995 und der Resolution 1325 von 2000 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten. Von offizieller Seite wird den hochbetagten ehemaligen „Trostfrauen“ immer wieder Geld angeboten während eine angemessene Entschuldigung noch aussteht. Die betroffenen Frauen nehmen die Art der Entschädigung als Beseitigung des Problems wahr, seit Redakteure des staatlichen Sender NHK nur den verschleiernden Begriff „Personen, die in Kriegszeiten Trostfrauen genannt wurden“ verwenden dürfen und von einfachen Prostituierten die Rede ist.

Die erste Statue, die an das Schicksal der „Trostfrauen“ und sexualisierte Gewalt im Krieg erinnert, wurde 2011 in Seoul aufgestellt. Ähnliche Mahnmale stehen in den USA, Australien und auf den Philippinen. In Deutschland wurde nun die Dritte ihrer Art von einem Bündnis um den Koreaverband in Berlin errichtet. Im Antrag zur Genehmigung wird darauf hingewiesen, dass Reaktionen von japanischer Seite zu erwarten seien. Durch Diplomatie und Androhung der Beendigung von Städtepartnerschaften erreichte die japanische Regierung bereits die Entfernung anderer Statuen. Einen Tag vor der geplanten Entfernung demonstrierten hunderte Menschen am Ort der Aufstellung. Inzwischen wurde ein Eilantrag gegen die Abbauforderung des Bezirksamts eingereicht. Solange die Entscheidung des Gerichts aussteht, bleibt die „Trostfrauen“ Statue in Berlin Mitte.

Es ist also keineswegs bloß eine kommunale Angelegenheit, wie vom Auswärtigen Amt behauptet. Die Statue wurde nicht mit dem Anspruch errichtet, eine Rehabilitation der Überlebenden zu erzwingen oder sich in die Japanisch-Koreanischen Beziehungen einzumischen, sie soll an die Opfer von systematischer sexualisierter Gewalt in Kriegszeiten zu erinnern. Eine Erinnerungsarbeit, die auch der Bundesrepublik Deutschland gut zu Gesicht steht. Hartnäckig hält sich das Märchen vom „sauberen“ deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg von dem keine Vergewaltigungen oder sexualisierte Gewalt ausging. Lange wurde dazu nicht geforscht und noch seltener wurde das Thema öffentlich gemacht. Die wenigen Überlebenden, die noch Zeugnis ablegen können, sowohl von der japanischen als auch von deutscher sexualisierter Kriegsgewalt, werden immer weniger. Wir brauchen eine angemessene und ständige Erinnerungskultur zu sexualisierten Kriegsverbrechen. Deshalb:

Die „Trostfrauen“ Friedensstatue in Berlin Mitte muss bleiben.