Tag 3: Tourist_innen entdecken die Insel

Am Dienstag haben wir den Austausch mit Abgeordneten und Minister_innen fortgesetzt und uns sowohl mit dem Ausschuss für Umwelt und Kommunikation als auch mit der isländischen Umweltministerin und Fachleuten aus dem Ministerium getroffen. Zentrales Thema war dementsprechend: Umwelt- und Naturschutz, aber auch über die Rolle des Tourismus haben wir viel erfahren. Der ist nämlich mittlerweile wichtigster Wirtschaftszweig, die Zahlen der Tourist_innen sind rasant angestiegen. Im letzten Jahr haben über eine Millionen Menschen Island besucht, ein weiterer Anstieg auf 1,7 Millionen wird erwartet. Und das bei einer Bevölkerung von 340.000 Menschen – eine echte Herausforderung für Mensch und Natur!

Das Straßennetz, aber auch das Gesundheitswesen waren nie für so viele Menschen ausgelegt. Die gesamte Infrastruktur muss ausgebaut werden. Mit den Tourist_innen kommen aber auch Fragen, die Teile des Selbstverständnisses der in Island lebenden Menschen berühren. Das Land ist zwar vorwiegend in Privatbesitz, aber eigentlich hatten bisher alle überall freien Zugang. Angesichts der Tourist_innenzahlen gibt es hier nun aber Regelungsbedarf. Auch deshalb arbeitet die Regierung eng mit erstarkenden Umweltbewegungen zusammen. Und auch hier (im Natur- und Umweltschutz) wird direkte Demokratie groß geschrieben. In einer Befragung haben sich 70 Prozent für die Idee ausgesprochen, einen Großteil des Hochlandes zu einem Nationalpark unter Naturschutz zu erklären.

Aber nicht nur die Frage nach einem nachhaltigen Tourismus war Thema, sondern auch die Schattenseiten des Tourismus haben wir angesprochen: Der hier entstandene Arbeitsmarkt ist vor allem ein Niedriglohnbereich. Im Vergleich zur Fischerei und zum Energiesektor bringt der Tourismus zudem nur ein Drittel der Steuereinnahmen.

Anschließend haben wir die Vorsitzenden der im Parlament vertretenden Fraktionen getroffen. Thema hier war natürlich die Wahl in Österreich und die Vertrauenskrise in die Politik in ganz Europa. Einig waren wir uns beim Thema Rechtsentwicklung mit all den antidemokratischen Tendenzen. Eine Umarmung der Rechtspopulist_innen darf kein Umgang mit ihnen sein. Wir haben auch festgestellt, dass die Wahl eines Grünen Präsidenten in Österreich absolut kein Grund zur Entwarnung ist. Immerhin haben fast 50 Prozent rechts gewählt, van der Bellen hat viele Stimmen aus taktischen Erwägungen bekommen.

In Island gibt es außerdem weiterhin eine aktive Auseinandersetzung mit den Panama Papers. Auch wenn mittlerweile viel Geld ausgegeben wurde, um entsprechende Steuerunterlagen zu bekommen, sei der größte Schaden – das entstandene Misstrauen – nicht so leicht zu beheben. Immerhin hat es eine Geschichte: In der Krise wurde das Verhalten der Banker zur Wunde der Menschen. Durch die Panama Papers wurde diese erneut aufgerissen.

Abschließend waren wir noch bei der Deutsch-Isländischen Wirtschaftsvereinigung. Hier wurde erzählt, die Wirtschaft setze dann auf eine neue Regierung, wenn es eine linke sei, Gruene, Linke, Piraten, Sozialdemokrat_innen. Sie hätten Ideen für die Zukunft Islands und würden nicht lediglich bei der Krisenbewältigung stehen bleiben. Oha 😉

T3 Fraktionsvorsitzender T3 Karte