Der aktuelle Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit für Schleswig-Holstein zeichnet ein positives Bild. Doch zeigt er wieder einmal nicht die reale Situation am Arbeitsmarkt.
Arbeitslose,die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Auch diejenigen, die versuchen sich selbstständig zu machen, tauchen nicht in der Statistik auf. Insgesamt sind dies in Schleswig-Holstein 19.106 Personen. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen ebenfalls nicht in der offiziellen Statistik.
Schon seit zwei Jahren werden auch diejenigen Arbeitssuchenden nicht mehr gezählt, die sich an einen privaten Arbeitsvermittler wenden. Von ihm betreute Arbeitslose tauchen in der Statistik der Arbeitsagentur nicht mehr auf, obwohl sie allein durch einen Betreuungswechsel noch lange keine Arbeit haben.
Dabei sind die Zahlen in den Kreisen und kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein sehr unterschiedlich. Während die Arbeitslosenquote im Kreis Stormarn lediglich bei 3,8 Prozent liegt, beträgt sie in Dithmarschen selbst offiziell noch 8,3 Prozent. Noch schlechter sieht es in den Städten aus: Kiel, als „beste Stadt“ weist noch eine Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent auf, Schlusslicht Flensburg 11,4 Prozent.
Wie bereits in den Vormonaten hat die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt die ALG II-Bezieher nicht erreicht. Sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zu Dezember 2010 nach Berechnungen der Agentur um 11,4 Prozent, so sank die Zahl der ALG II-Empfänger lediglich um 1,4 Prozent. Noch immer beziehen in Schleswig-Holstein 66.554 Menschen den unwürdigen Hartz-IV-Satz. Und wie die Agentur vor wenigen Tagen selbst mitteilte: Viele Menschen verdienen so wenig, dass sie bei Arbeitslosigkeit sofort in die Hartz-IV-Falle tappen, ohne jemals reguläres Arbeitslosengeld zu beziehen.
Der Arbeitsmarktbericht ist ebenso wie die gerade veröffentliche Beschäftigungsstatistik der Bundesregierung kein Grund zum Feiern. Der Rekord von 41 Millionen Erwerbstätigen geht zum großen Teil darauf zurück, dass Vollzeitarbeitsplätze in Teilzeit- und Billigjobs umgewandelt wurden, Jobs, von denen niemand leben kann. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Anfrage der LINKEN ergeben, dass in den vergangenen Jahren kaum mehr Arbeit geschaffen wurde. So stieg die Zahl der Erwerbstätigen von 2002 bis 2010 zwar um 1,3 Millionen oder gut drei Prozent auf 40,5 Millionen. Legt man jedoch das Arbeitszeitvolumen zugrunde und rechnet dieses in Vollzeitstellen – sogenannte ‚Vollzeitäquivalente‘ – um, ergibt sich ein rechnerisches Minus von 79.000 Stellen.
Auch der Arbeitsmarktbericht für Schleswig-Holstein zeigt nicht auf, welche Arbeitsplätze vermittelt wurden. Deutlich ist jedoch auch hier ein Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Dienstleistungs- und Pflegebereich. Das sind Bereiche, in denen es traditionell sehr viel Teilzeitstellen gibt und die Löhne in den letzten Jahren drastisch gesunken sind.
Der Arbeitsmarktbericht zeigt eines deutlich: Wir brauchen eine neue Arbeitsmarktpolitik mit einem gesetzlichen Mindestlohn, gleichem Lohn für gleiche Arbeit und guter Arbeit, von der alle auch gut Leben können.