Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland Normalität – auch wenn es einigen nicht gefällt

Statement für die Zeitschrift “Deutsch perfekt”

Pro und Contra zur Abschaffung des § 219a StGB

Anfang der 70er-Jahre erklärten viele Frauen öffentlich: Wir haben abgetrie- ben! Schwangerschaftsabbrüche, bis da- hin unter Strafe verboten, wurden Mitte der 70er zum Teil legalisiert. Der Paragraf 218 Strafgesetzbuch, der den Abbruch einer Schwangerschaft verbietet, blieb zwar bestehen. Es wurden aber Regelungen be- schlossen, die es Frauen unter bestimmten Bedingungen trotzdem erlauben, eine Schwangerschaft zu beenden.

Heute, mehr als 40 Jahre später, ist es noch immer so: Frauen, die zu einer verpflichtenden Beratung gehen, können innerhalb der ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft straffrei einen Abbruch vornehmen lassen. Aber: Möchten sie sich darüber informieren, welche Ärztin- nen und Ärzte einen Abbruch anbieten, gibt es diese Informationen nicht frei zu- gänglich, weil dies ein weiterer Paragraf – der Paragraf 219a – verbietet. Schreiben Ärztinnen und Ärzte auf ihre Homepage, dass in ihrer Praxis Abbrüche vorgenom- men werden, können sie sich strafbar machen.

Damit erschwert der Paragraf 219a eine gesundheitlich verantwortungsvolle Betreuung von Frauen und reduziert ihr Selbstbestimmungsrecht weiter. Informationen zu verbieten ist außerdem verfassungswidrig: Ärztinnen und Ärzten ist nach Artikel 12 Grundgesetz die Berufsfreiheit garantiert. Der häufig genannte Vorwurf, ein Schwangerschaftsabbruch sei keine normale medizinische Leistung, ist außerdem realitätsfern: Abtreibungen sind in Deutschland Normalität – auch wenn es einigen nicht gefällt.

Deshalb gehört der Paragraf abgeschafft. Keine Frau treibt unüberlegt ab. Sie muss und kann allein, eigenverant- wortlich und selbstbestimmt entscheiden, ob und wann sie ein Kind bekommt.