Organspende nur, wenn Betroffene dies eindeutig erklärt haben!

Organspende: ja oder nein? Ein heikles Thema. Heikel deswegen, weil es sehr grundsätzliche Fragen aufwirft, die die Würde des Menschen über seinen Tod hinaus betreffen. Aber auch die Frage: Wann ist ein Mensch wirklich tot? Dürfen einem Menschen Organe entnommen werden, wenn er vorher keine ausdrückliche Zustimmung gegeben hat? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CSU, will, dass die derzeitige Regelung umgekehrt wird: Widerspricht jemand nicht ausdrücklich, sollen ihm nach seinem Hirntod Organe entnommen werden dürfen. Und damit erreichen, dass künftig mehr Organe für Transplantationen zur Verfügung stehen.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Organspenden. Ich bin aber dagegen, dass den Menschen als Folge der Ökonomisierung unseres Gesundheitssystems diese zutiefst intime und persönliche Entscheidung nicht mehr aktiv treffen sollen. Für mich ist eine Entmündigung sondergleichen und mit Artikel 1 des Grundgesetzes nicht vereinbar. Ich trete für eine umfassende körperliche Selbstbestimmung ein, die auch über den Tod hinausgeht.

Eines muss man Jens Spahn lassen: seine immer absurderen Vorschläge zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems werden aufgegriffen und diskutiert. Der Mensch als Ersatzteillager? Und der Staat entscheidet über unseren Körper und über den Zeitpunkt unseres Todes? Soweit darf es nicht kommen. Der Staat hat nicht über die Gesundheit und über den Körper eines Menschen zu entscheiden. Weder während seines Lebens, noch nach seinem Tod. Diese Entscheidung muss jeder Mensch für sich selber treffen. Ohne ein deutliches „Ja“, am besten konkret mit der Angabe, welche Organe oder Körperteile entnommen werden dürfen, darf es aus meiner Sicht keine Organspende geben. Die Entscheidung sollte auch nicht von den Angehörigen getroffen werden dürfen. Denn auf sie wird oft ein enormer Druck ausgeübt, in einer ohnehin schon äußerst belastenden Situation. Deshalb bin ich ganz klar dafür: Organspende nur, wenn diese Entscheidung von den Betroffenen vorher klar kommuniziert wurde! Aufklärung, Informationen, Werbung für Positiv- und Negativausweise sind förderlicher, als nur wenige Jahre nach einer Entscheidung im Bundestag diese Debatte neu aufzurollen.

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