Nach dem W20 ist vor dem G20

Ein paar Worte zum W20-Forum

Es kann sein, dass vom W20-Forum ein Signal ausgeht: Dass in Chefetagen Frauen erfolgreich wirken und sie genauso managen und führen können wie Männer. Es wäre ein Erfolg, wenn das W20-Forum dazu beitrüge, den Männer-Filz in Vorständen und Aufsichtsräten zu durchlöchern und der gläserne Deckel, der weibliche Karrierechancen immer noch zunichte macht, weitere Sprünge bekommen hätte und durchlässiger würde. Das wäre aber auch schon alles.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die IWF-Chefin Christine Largarde, die niederländische Monarchin Maxima Oranje-Nassau, die kanadische Außenministerin Christya Freeland und First Daughter der USA, Ivanka Trump, saßen auf Einladung des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen und des Deutschen Frauenrates auf dem Podium und debattierten im Vorwege des G20 über Frauenförderung – im Ergebnis sollen Empfehlungen an diejenigen ausgesprochen werden, die Anfang Juli in Hamburg auf dem G20 zusammen treffen – mit geschätzten 10.000 Teilnehmenden eine der größten internationalen Konferenzen überhaupt. Und sie wird voraussichtlich von den größten Protesten begleitet werden, die die G20 je erlebt haben: Mit mehr als 100.000 Menschen wird gerechnet. Ich werde an den Protesten teilnehmen. Und ich finde es scheinheilig, dass das W20-Forum kein Stück dafür genutzt wurde, die Regierungschefinnen und -chefs der G20 zu kritisieren und sie aufzufordern, ihre menschen- und damit frauenfeindliche Politik zu beenden.

Frauenrechte könnten im Rahmen des G20 durchaus eine wichtige Rolle spielen. Denn die Folgen der Politik vieler Staaten sind Hunger, Gewalt, Elend und Tod. Aber darüber diskutierten die mächtigen Damen – natürlich – nicht. Stattdessen ist das abschließende Kommuniqué eine Ansammlung von Empfehlungen, die unverbindlicher nicht sein können. Richtigerweise steht zwar darin, dass die Politik der G20 geschlechterblind ist und damit nicht automatisch geschlechtsneutral. Doch auch wenn von Gleichberechtigung, Lohntransparenz oder Feminismus die Rede war, standen diese drei zentralen Begriffe der Frauenbewegungen unter dem Fokus unternehmerischen Denkens: Beim W20-Forum ging es ausschließlich um die Frage, wie weibliches Unternehmertum weltweit gefördert werden kann – also um Genderperspektiven in der neoliberalen Wirtschaftsordnung. Richtigerweise wird festgehalten, dass Gender-Analysen und Gender Budgeting in alle Wachstumsstrategien und Handlungsfelder der Regierungen integriert werden müssen. Aber auch hier gibt es große Bandbreiten und Interpretationsspielräume. Und, werte Damen, ohne eine fundamentale Kritik am derzeitigen Wirtschaften und an den Kriegsbeteiligungen der G20-Staaten verhallen die Positionierungen und Forderungen.

Sie hätten vielleicht etwas nachhaltig bewirken können – aber nur im Dialog und mit verbindlichen Verabredungen mit Frauen und Organisationen, die die anderen, den weitaus größeren Teil Frauen vertreten. Aber so ist das W20-Forum genauso wenig legitimiert wie die G20, denen jede völkerrechtliche Grundlage fehlt. Sie sind auch nicht repräsentativ. Und wie das Kommuniqué erarbeitet wurde, bleibt genauso intransparent wie sämtliche Erklärungen und Aktionspläne der G20. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel schreibt im Vorwort der offiziellen Gipfel-Broschüre, dass die G20 auf einem gemeinsamen Wertefundament aufbauen. Und dass, obwohl Diktatoren wie Schein-Demokraten am G20 teilnehmen.

Nein, das W20-Forum vertritt nicht die Mehrheit der Frauen, so wie auch keine Frauenrechtlerinnen auf dem Podium saßen. Es ist keine demokratische Veranstaltung gewesen. Von ihr kann daher auch nichts ausgehen, was für Frauen, die keine Unternehmerinnen oder Töchter einflussreicher Männer sind, hilfreich sein könnte. Es bleibt, wie es immer war: Wir müssen uns unsere Rechte selbst erkämpfen. Und deswegen ist es wichtig, Anfang Juli in Hamburg gegen die G20 Gesicht zu zeigen.