Mütter des Grundgesetzes

Grußwort zur Wanderausstellung

muetter-d.GGOhne Elisabeth Selbert, Helene Weber, Frieda Nadig und Helene Wessel würde Artikel 3 des Grundgesetzes der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ nicht enthalten. Dafür gebührt ihnen unser Dank.

Diese Wanderausstellung im Pinneberger Rathaus erinnert an diese vier Frauen. Sie sind bis heute eine Ermutigung für alle Frauen, sich in der Politik, in den Parlamenten, zu engagieren. Und es ist gut, dass in der Ausstellung auch daran erinnert wird, dass es 1993 einen weiteren Zusatz in Artikel 3 gegeben hat, der für die Gleichstellung der Geschlechter eine große Bedeutung hatte: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Damit wurde die Grundlage für die Gleichstellungsgesetze geschaffen, die heute auch auf kommunaler Ebene wirken. Es ist die Handlungsgrundlage für die Gleichstellungsbeauftragten. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass sich Frauen in der Politik engagieren.

Es ist, wie es ist: Wir müssen uns um unsere Emanzipation selbst kümmern. Wir müssen uns selbst für unsere Belange, unsere Interessen, einsetzen. Aktuell haben wir das erst wieder bei der Reform des Sexualstrafrechts erlebt. Auch hier haben im Wesentlichen Frauen dafür gekämpft, dass „Nein“ künftig auch „Nein“ heißt. Dass diese eigentlich selbstverständliche Recht erst knapp 70 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes Gesetzeskraft erhielt, zeigt, dass wir Frauen einen langen Atem benötigen, um durchzusetzen, dass wir selbst über uns bestimmen wollen.

Elisabeth Selbert, Helene Weber, Frieda Nadig und Helene Wessel gehörten verschiedenen Parteien an. Auch das hat sich bis heute nicht verändert: Wir Frauen arbeiten oft gut überparteilich und interfraktionell zusammen. Wir Feministinnen erleben die patriarchale Strukturen schließlich auch und immer noch auch in unseren eigenen Reihen – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen.

Uns lehrt aber die Geschichte, dass sich gemeinsam besser und nachhaltiger etwas verändern lässt. Ich würde mir wünschen, dass es öfter gemeinsame Initiativen gäbe. Wenn Abgeordnete mehr mit ihrem Herzen und mit der gebotenen Vernunft und weniger aufgrund der Fraktionsdisziplin entscheiden würden. Gerade in frauenpolitischen Fragen wären wir dann schon viel weiter.

Ich wünsche Ihnen eine gute Eröffnungsfeier heute am 30. Mai und der Ausstellung im Pinneberger Rathaus viele Besucherinnen und Besucher!

Schlagwörter: ,