Holt die Familie C. aus Albanien zurück!

Eine albanische Familie, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, wurde abgeschoben, berichten der NDR, die WELT, die Kieler Nachrichten. Das Schleswig-Holstein-Journal berichtet darüber als Aufmacher-Thema: Holt die Familie aus Albanien zurück!

Verantwortlich für die Abschiebung ist die Ausländerbehörde des Kreises Plön. Obwohl der Fall bei der Härtefallkommission lag, obwohl es einen Ermessenspielraum gab, obwohl die sechsköpfige Familie als „gut integriert“ galt, wurde sie in ein Flugzeug nach Albanien gesetzt. 30 Monate lang darf sie Deutschland nun nicht mehr betreten. Kritik kommt von den in Schleswig-Holstein mitregierenden Grünen, auch von der FDP. Vom Flüchtlingsrat. Und von der oppositionellen SPD. Sie alle kritisieren die unverhältnismäßige Härte. Und dass die Entscheidung der Härtefallkommission nicht wenigstens abgewartet wurde. Menschen, die die Familie gut kennen, fordern jetzt, die Voraussetzungen für eine Rückkehr zu schaffen. Innenminister Grote, CDU, muss jetzt seinen Einfluss geltend machen.

Es ist richtig, das scharf zu kritisieren. Es ist unmenschlich und geradezu widerwärtig, Härte zu zeigen bei Menschen, die zu den schwächsten gehören, die Hilfe brauchen und nicht die Keule des Vollzugs.

Albanien ist bekannt dafür, Roma zu diskriminieren. Hohe Kriminalität und Korruption sorgen zudem dafür, dass immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen. Verlassen müssen, um würdevoll leben zu können, aus der Hoffnungslosigkeit heraus für sich eine Zukunft zu schaffen. Menschen aus Albanien stellen de größte Gruppe von Asylbewerberbenden in Europa – wen wunderts? Die Familie C. schien es geschafft zu haben. Hatten Freunde in Kirchbarkau, einer Gemeinde Plöns, gefunden. Die Kinder hatten Anschluss in der Schule. Die Familie lebte seit etwa drei Jahren in Deutschland und hat wirklich viel getan, um sich zu integrieren. Alle sprechen relativ gut Deutsch, der Vater hatte einen Arbeitsplatz in Aussicht, die Töchter Angebote für einen Ausbildungsplatz. Man könnte wirklich von gelungener Integration sprechen.

Die Ausländerbehörde hat Fakten geschaffen, indem sie die Papiere der Familie nicht an die Härtefallkommission weitergeleitet hat, obwohl diese einen Antrag darauf gestellt hatten. Das ist ein Skandal. Das deutet auch darauf hin, dass nicht der Einzelfall geprüft wurde, sondern eine Familie pauschal aufgrund ihrer Herkunft jede Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben genommen wurde.

Antiziganismus ist in unserem Land leider immer noch sehr verbreitet. Laut einer Studie wollen zwei Drittel aller Deutschen keine Roma und Sinti als Nachbarn. Was für Kirchbarkau aber nicht stimmt – dort war die Familie willkommen. Ob Roma oder nicht – wer aus Albanien kommt, trägt das Stigma Roma und Sinti. Die Ausländerbehörde muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie in dieser Härte gehandelt hat. Dass es ein Versehen war, ist nicht glaubwürdig. Zurecht fordert der linke Kreistagsabgeordnete Bernd Friedrich eine außerordentliche Sitzung des Kreistages. Er hat Landrätin Stephanie Ladwig einen Brief geschrieben.

Ich fordere die Regierungsfraktionen in Schleswig-Holstein auf, der Angelegenheit ebenfalls hohe Priorität beizumessen, ihr umgehend nachzugehen und die Sache lückenlos aufzuklären – und alles zu tun, die Famile C. wieder zurückzuholen.

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