Inakzeptabel: Der Frauengesundheitsbericht lässt auf sich warten …

Auf den zweiten Frauengesundheitsbericht der Bundesregierung warten Fachleute dringend. Denn er wird valide Antworten auf offene Fragen geben, die für die medizinische Versorgung der Bevölkerung erforderlich sind. Die Antwort der Bundesregierung auf meine Kleine Anfrage überzeugen nicht

Warum ist der neue Frauengesundheitsbericht so wichtig?

Es geht in dem neuen Bericht unter anderem um folgende, bisang nicht nicht umfassend untersuchte, Themen: Welche gesundheitlichen Folgen haben die Frauen davon getragen, die aufgrund von Kriegen in ihrer Heimat nach Europa geflohen sind? Welche spezifischen Zusammenhänge gibt es zwischen Erkrankungen und einer Migrationsgeschichte? Welche chronischen Erkrankungen tragen Frauen davon, die behindert sind oder älter? Welche konkreten Auswirkungen hat es für Frauen und ihre psychosomatische Gesundheit, wenn sie Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Identität erfahren haben? Muss die gynäkologische Versorgung anders oder neu ausgerichtet werden aufgrund von Erkrankungen von Frauen mit Gewalterfahrungen? Wie steht es um die reproduktive Gesundheit – die Versorgung bei ungewollter Schwangerschaft, aber auch bei Kinderlosigkeit? 

Warum es schlecht ist, dass der Bericht viel zu spät kommt

Der zweite Frauengesundheitsbericht wird auch eine Lebenslaufperspektive für Frauen erstellen, indem soziodemografische Daten mit einander verknüpft werden. So können neue Behandlungsansätze ausgearbeitet werden, aber auch Therapien und Präventionsansätze entwickelt werden. Ohne eine aktuelle und konkrete Datenlage sind Fachwelt wie auch Politik nicht in der Lage, die Erfordernisse zu erkennen und anzupassen. Berichte oder Erfahrungen einzelner reichen nicht aus, den letztlich geht es um eine Neujustierung innerhalb des Gesundheitswesens, etwa den Fachärztemangel in der Gynäkologie. Aber auch die immer noch weit verbreitete Psychologisierung von Frauenleiden und das damit einhergehende hohe Suchtpotenzial: Frauen bekommen zwei bis dreimal häufiger Psychopharmaka verordnet als Männer. Oder auch Schlafmittel: geschätzt wird, dass über eine Millionen ältere Frauen davon abhängig sind. Oder die immer noch weit verbreitete Vergabe von Hormone bei natürlichen Beschwerden, die in den Wechseljahren auftreten können. 

Warum es Es gibt unzählige Gründe, spezifisch die Geschlechter zu betrachten, wenn es um die Diagnose von Befindlichkeiten oder Schmerzen geht. Die Lebensqualität ist davon abhängig. Daher ist es inakzeptabel, dass sich der Bericht um Monate verschiebt. Solange muss mit veraltete Daten gearbeitet werden. Der neue Frauengesundheitsbericht ist längst überfällig.