Frauenfußball benötigt mehr Beachtung und Förderung. Und mehr Geld.

veröffentlicht  am 18. Januar 2020 in diversen schleswig-holsteinischen Regionalzeitungen

Mila lebt in Schleswig-Holstein, ist zehn Jahre alt und spielt gern Fußball. Ihr großes Vorbild ist Megan Rapinoe, US-amerikanischer Fußballstar und Weltfußballerin 2019. Mila träumt ebenfalls von einer Karriere als Profi. Am liebsten Mittelfeld – wie Meghan.

Die Aussichten dafür sind – nicht gut. Vor allem nicht in Schleswig-Holstein. Das liegt allerdings nicht so sehr daran, dass es unsere Vereine und Verbände im Norden keine Bereitschaft hätten, Talente egal welchen Geschlechts bestmöglich zu fördern. Der Landessportbund hat außerdem einen Gleichstellungsplan und es gibt verschiedene Förderprogramme für Mädchen. Gezielt wird auch versucht, Trainerinnen in Malente auszubilden und Frauen für Vorstände zu gewinnen. Großartig finde ich auch die Wanderausstellung „fan tastic females“, die noch bis zum 19. Januar im Kieler Holstein-Stadion zu sehen ist.

Dennoch stehen Spielerinnen weiterhin im Schatten der Männer, die Situation weiblicher Aktiver ist wirklich unmöglich. Und das hat mit Politik zu tun, konkret mit der Trägheit der schleswig-holsteinischen Landesregierung und dem Wegsehen der Bundesregierung. So hat eine Anfrage meiner Fraktion an die Bundesregierung vor kurzem ergeben, dass sie über so gut wie kein Wissen beim Frauenfußball verfügt. Und nicht einmal Interesse daran hat, daran etwas zu ändern. Wie groß die Unterschiede immer noch sind, zeigt sich unter anderem daran, dass sich unter den 100 Topverdienerinnen im Sport sich keine einzige Frau befindet! Beim Fußball werden wie nahezu überall in Deutschland Frauen erheblich benachteiligt: Neben den skandinavischen Ländern schneiden selbst Staaten wie Irland, Ruanda und Neuseeland bei der Gleichberechtigung besser ab, wie der „Global Gender Gap Report“ jüngst feststellte.

So müssen Kickerinnen wie Mila wohl auch weiterhin aus ihren Profiträume aufwachen, um einer anderen Erwerbsarbeit nachzugehen. Dabei geht es den meisten Spielerinnen gar nicht um gigantische Honorare, sondern zu allererst um Gleichstellung bei den Spielbedingungen, gleichen Preisgeldern und Gehältern sowie Perspektiven für Trainerinnen.

Eine Wende im Frauenfußball wird möglicherweise die Reform der „Women’s Champion League“ bringen: Es wird mehr Spiele geben, ein drittes Frauen-Team sich künftig qualifizieren können. Das allerdings nimmt Land und Bund nicht aus der Pflicht: Schleswig-Holstein hat die rote Laterne bei der institutionellen Förderung, zeigt ein bundesweiter Vergleich. Sportminister Hans-Joachim Grote muss jetzt was tun!

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