Das Strafgesetzbuch hat in unserem Uterus nichts verloren

veröffentlicht in den Ueternser Nachrichten am 12. Januar 2019

Die Debatte um den Paragraphen 219a Strafgesetzbuch wird hitzig geführt. Und es wird kompromisslos argumentiert. Vollkommen zu Recht. Denn in manchen Fragen geht es nicht um Kompromisse, sondern um politische Haltungen. Dass dieser Paragraph als Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche tituliert wird, verschleiert, worum es eigentlich geht.

Über Werbung für Schwangerschaftsabbrüche brauchen wir nämlich nicht reden. Erstens: Keine Frau macht ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind, für die Fortsetzung oder Beendigung einer Schwangerschaft von Reklame abhängig. Für diese Entscheidung – das belegen etliche Studien – ist die soziale Lage entscheidend, das Alter der Frau, das Vorhandensein oder der Zustand einer Partnerschaft. Nicht aber blinkende Bilder und Dumpingangebote. Zweitens: Für ein Werbeverbot ist das Strafgesetzbuch vollkommen überflüssig. Werbung für medizinische Eingriffe regeln unter anderem die Berufsordnung für Ärzte und das Heilmittelwerbegesetz.

Worüber reden wir also wirklich? Im Kern geht es von konservativer Seite darum, an einem Gesetz festzuhalten, dass Schwangerschaftsabbrüche stigmatisiert. Dadurch, dass das Informieren über diese medizinische Leistung, über den konkreten Eingriff und verschiedene Methoden mit dem scharfen juristischen Schwert des Strafgesetzbuchs verboten wird, bleibt das Sprechen über Schwangerschaftsabbrüche ein Tabu. Genau das ist gewollt. 

Es geht bei der Debatte also darum, ob Frauen dabei unterstützt werden, Entscheidungen auf Basis von fundierten Informationen in einem Angstfreien Klima zu treffen. Oder ob ihnen genau das weiterhin verwehrt wird, weil Ärztinnen und Ärzte, also diejenigen, die am besten über das medizinische Verfahren aufklären und informieren können, durch den Paragraphen 219a permanent verunsichert werden.

Frauen, die – oftmals trotz Verhütung – ungewollt schwanger werden, müssen sich so früh und so umfassend wie möglich informieren können. Es ist ihr Körper und ihr Leben, nur sie können entscheiden, ob und wann sie Kinder bekommen. Das Strafgesetzbuch hat hier nichts verloren.

Statt des § 219a müssen Alternativen her, die helfen, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden oder im Konfliktfall wirklich Unterstützung bieten: Kostenlose Verhütungsmittel, eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und ein Ausbau der Beratungsangebote. Und am Anfang muss der schnelle und niederschwellige Zugang zu Informationen stehen. Daher sage ich: #keineKompromisse beim 219a!

Screenshot Ueternser Nachrichten, 12.1.19