Abschiebung aus Bosau sofort stoppen. Menschlichkeit vor Bürokratie!

Am 8. November wurde eine Familie, die aus dem Jemen geflüchtet war, von den Behörden aus ihrer Unterkunft in Bosau/Ostholstein geholt und sollte abgeschoben werden. Die Familie ist in Bosau gut integriert, Freunde und Nachbarn aus dem Ort hatten sich intensiv dafür eingesetzt, dass sie in Deutschland bleiben kann. Die Familie war nach der Flucht aus dem Bürgerkriegsland Jemen nach Griechenland geflohen. Von dort ist sie weiter nach Deutschland geflohen, weil sie in Griechenland unter erbärmlichen Bedingungen auf der Straße leben musste. Trotzdem sollte sie dorthin zurückgebracht werden. Es gab eine Online-Petition mit hunderten Unterschriften. Auch der Bürgermeister und mehrere Gemeindevertreter*innen haben diese Petition unterschrieben. Eine Nachbarin bezeichnete die jetzt erfolgte Abholung der Familie als den „furchtbarsten Tag“ ihres Lebens.

Die Abschiebung erfolgte nicht, weil sich die Bundespolizei weigerte, die Familie von den örtlichen Behörden zu übernehmen. Am 11. November ist es gelungen, eine zunächst zweimonatlige Duldung zu erwirken.

Die Umstände der gepanten Abschiebung am 8. November sind noch nicht restlos geklärt, aber offenbar sollte die Familie – wie es heißt – unbegleitet nach Griechenland in einem normalen Linienflug zurückgeführt werden, was die Bundespolizei nicht hingenommen hat.

Für die Ausländerbehörde Ostholstein gelten offensichtlich weder das Engagement der Menschen in Bosau für ihre Nachbarn, noch die Tatsache, dass die Mutter der Familie schwer traumatisiert ist und deshalb ärztlich betreut werden muss, was in Griechenland angesichts der katastrophalen Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern nicht wahrscheinlich ist. Hier wird formales Recht vor Menschlichkeit gesetzt. Niemandem ist damit geholfen, eine Familie, die endlich in Sicherheit war jetzt wieder das Elend der griechischen Lager zurückzuschicken. Dort wo die Familie jetzt hingebracht werden soll, gibt es keine funktionierende medizinische Versorgung der Geflüchteten, schreckliche Wohnverhältnisse in überfüllten Lagern, keine Schul- oder Weiterbildung für die Kinder und Eltern. Dieses Vorgehen zerstört gelungene Integration.

Wir fordern die Landesregierung noch einmal auf, die Abschiebung zu stoppen und die Familie in ihrer neuen Heimat in Bosau zu belassen. Besonders die Grünen, die sich immer als Partei der Menschlichkeit präsentieren, sind hier aufgerufen in der Regierung ihren Worten Taten folgen zu lassen.

Wir fordern Menschlichkeit vor Bürokratie!

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